[SHIT & STUFF]: Elon Musk baut die Menschheit um …

Der Artikel erschien zuerst auf Kultplatz.net, meiner Website für SF, Bücher, Film und solcherlei Kram. Ich habe ihn inhaltlich unverändert übernommen, nur die Updates ans Ende gestellt.


Eigenes FotoElon Musk, der Mann mit den Tesla E-Autos und dem Space X Raumfahrtprogramm, ist kein Kind von Traurigkeit und niemand, der sich Zeit lässt. Der Milliardär, der seinen Grundstein für die zahllosen Unternehmen mit PayPal legte, hat wieder ein neues Unternehmen gegründet.

Neuralink ist ein medizinisches Forschungsunternehmen, dass die Vernetzung von Mensch und Maschine vorantreiben soll. Netzwerkstecker ins Genick und los (oder wie auch immer diese Schnittstelle aussehen wird). Musk äußert immer wieder die Sorge, dass der Mensch hinter der künstlichen Intelligenz zurückbleiben wird, wenn er nicht Teil davon wird.

Und was dann passiert, wissen wir spätestens seit der Gründung von Cyberdyne Systems – Skynet kam über die Menschheit.

Die Vernetzung von Mensch und Maschine klingt im ersten Moment nach reißerischer Science Fiction, aber das war seinerzeit auch das Thema klonen – und dann kam Dolly. Aber grundsätzlich neu ist die Idee nicht, nur steht diesmal mit Elon Musk ein Mann zur Verfügung, der nur sehr geringe Bereitschaft zeigt, auf Dinge zu warten – er setzt sie einfach in Gang und hat die Mittel dazu, sie in Betrieb zu halten und die besten Köpfe für seine Ideen einzuspannen. Betrachtet man überdies die Ansammlung von Unternehmen und Organisationen, die Musk auf die Beine gestellt hat, dann macht Neuralink durchaus Sinn.

Musk hat schon 2015 die Non-Profit Organisation OpenAI begründet, die sich mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz beschäftigt. Vernetzung ist nur ein nächster, man ist versucht zu sagen, naheliegender, Schritt.

Dazu kommt das seit 2013 laufende Projekt Hyperloop (HTT – Hyperloop Transportation Technologies), das jetzt Fahrt aufnimmt. Der Prototyp eines Hochgeschwindigkeitstransportsystems, der für dieses Jahr seine Tests aufnehmen soll, erregt jetzt auch die Aufmerksamkeit anderer Transportunternehmen. Endziel sind Züge, die in Unterdruckröhren mit 1200 km/h unterwegs sind – jetzt wird die erste Kapsel getestet. Derartig komplexe Systeme brauchen mit zunehmendem Wachstum immer hochentwickteltere Computertechnologien, die mehr können müssen, als einem vorgegebenen Code zu folgen – etwas wie eine künstliche Intelligenz.

Mit der Investition in Tesla Inc. hat er eine schleichende Revolution im Individualverkehr in Gang gesetzt, das Elektroautor, das die Fossilbrennstoffstinker ablösen soll – und wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Die Tesla Gigafactory ist eine Fabrik zur Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus und SolarCity, 2006 gegründet, ist ein Unternehmen für Solarstromanalagen. Ein System wie Hyperloop braucht sehr viel Energie. Praktisch, wenn man diese quasi daheim herstellen kann, weil man zufällig ein Energieunternehmen bei der Hand hat.

Musk hatte übrigens Australien, dessen Süden mit Energieengpässen kämpft, versprochen, binnen 100 Tagen eine Stromspeicheranlage aufzubauen oder gratis zu errichten.

Und wie passt da SpaceX ins Konzept? Wir sind so viele Menschen, wir brauchen irgendwo mehr Platz. Der Mars bietet sich an. Und wenn ich mit meinen eigenen Raumschiffen meine eigenen Vehikel und Generatoren dorthin schaffen kann, mit hochgerüsteten Piloten und Pionieren, dann kann nicht mehr viel schiefgehen. Kolonien nehmen den Druck von der Erde und gewährleisten auf weit längere Sicht ein Überleben der Menschheit, als es jetzt wahrscheinlich erscheint.

Elon Musk hat ein stetig wachsendes Gesamtpacket zur Revolutionierung der Menschheit im Angebot. Es mag visionär erscheinen, größenwahnsinnig, lächerlich – wie auch immer man es sehen will. Tatsache ist allerdings, dass es in der Geschichte der Menscheit immer extreme Persönlichkeiten gebraucht hat, um notwendige Veränderungen im großen Stil in Gang zu setzen. Mit Elon Musk ist ein Stratege auf dem Spielfeld unterwegs, der die Ressourcen und die Visionen hat, das umzusetzen.

Wer weiß, vielleicht braucht es tatsächlich erst eine digitale Aufrüstung des Verstands, um nicht doch noch die Welt und damit die Menschheit fröhlich in den Abgrund zu stoßen.

Popkulturell finden wir diese Thematiken seit Jahrzehnten in Film und Literatur aufgearbeitet. Auf bemerkenswerte Weise zum Beispiel sehr oft in den Romanen und Erzählungen von Philip K. Dick abgehandelt – hier am populärsten ist sein Roman Träumen Roboter von elektrischen Schafen – besser bekannt als Blade Runner. Der Film von Ridley Scott setzt dem Roman noch eins drauf.

Auch die SF-Autoren Alastair Reynolds und Stephen Baxter, beide aus der Wissenschaft kommend, haben sich auf eigen Art des Themas angenommen. Ausgehend von einer reizenden, harmlosen Geschichte von Arthur C. Clarke (dem man auch stets visionäre Vorausschau zugeordnet hatte), gingen sie daran, ein gewaltiges Panorama der Menschheit in den kommenden Jahrhunderten zu schildern – und den Problemen, die sie sich mit der von ihr entwickelten künstlichen Intelligenz eingefangen hat. Die Future History Die Medusa Chroniken [meine Rezension] sind der Roman zu den Ideen von Elon Musk.

Wenn man so will, ist die Verschmelzung von Mensch und Maschine auch bei The Terminator und spezieller noch bei Terminator 2 ein Thema – ein kybernetischer Organismus, auch wenn James Cameron hier den Gaul originellerweise von hintenrum aufzäumt und der Maschine eine Art Menschwerdung zugesteht.

Witzigerweise hat James Cameron, Halter von zahlreichen Patenten in Sachen Filmtechniken, Kameras und Tauchausrüstungen – auch die Sun Flower gestaltet – eine Solaranlage für den Alltag, die dem Stand der Sonne folgt und sich durch ihre beweglichen Blüten selbst auf ausrichtet.

Auch der Meister des Body-Horror, David Cronenberg, hat sich eingehend mit der Verschmelzung von Mensch und Computer beschäftigt und dafür die Realität verschwimmen lassen – eXistenZ ist ein Film, in dem es vordergründig um ein Spiel geht, das direkt am Körper angesteckt wird. Wie immer bei Cronenberg ist die Sache dann doch nicht so simpel, wie es den Anschein hat.

Zuletzt und zeitlich wie die Faust aufs Auge passend haben wir da noch die Neuverfilmung von Ghost in the Shell, in dem die Mensch-Maschinen-Verschmelzung eine überragende Rolle spielt. Wobei bei diesem Streifen die Manga/Anime-Vorlagen schon bedeutend länger existieren und bis heute ihre Faszination beibehalten haben.

Natürlich sind die oben geannten Beispiele Werke der Unterhaltung. Allerdings liegt es doch in der menschlichen Natur, Inhalte und Gedankenanstösse leichter über den Weg des Entertainments aufzunehmen als über Sachartikel und Sachbücher – seien sie auch noch so faszinierend. Der Roman von Reynolds und Baxter ist eine fesselnde Geschichte, die lange nachwirkt und Lösungen für Probleme aufzeigt, die rein hypothetisch und utopisch sein mögen. Aber Angesichts des Tempos, das Musk vorlegt, kann es wohl auch nicht zu früh sein, sich langfristige Gedanken zu machen.

Und dafür taugt der Weg über die Unterhaltung nun einmal am allerbesten. Revolutionen lassen sich nicht befehlen und ein Umdenken kommt nur zustande, wenn ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung Druck ausübt und mitzieht. Aber um das zu können, müssen zahllose Menschen erst über die fraglichen Thematiken informiert werden. Und das funktioniert am einfachsten über die Unterhaltung (das umgehekrte Beispiel der Disinformation leben wir gerade mit alternativen Wahrheiten und dem schwachsinnigen Infotainment, das als Nachrichten ausgegeben wird).

Und nachdem es nichts bringt, den Holzhammer auszupacken um das Thema in Schädel zu dreschen, was vollkommen kontraproduktiv ist, geht es bei dem Unterhaltungsweg schlicht um das Bewusstmachen von Ideen, um sachte Gedankenanstösse und Aha-Effekte. Mein kleiner, dummer Artikel ist so ein Beispiel dafür. Er wird einige hundert Leser finden, von denen eine einstellige Prozentzahl (maximal) die Literaturvorschläge unten in Betracht ziehen wird und davon wieder ein einstelliger Prozentsatz auch Gedanken an den Inhalt verschwendet. Aber irgendwo wird vielleicht die Grundlage für einen weiteren (R)Evolutionsschritt gelegt. Ha!


UPDATE 23.04.2017: Ein recht ausführlicher Artikel zum Thema Elon Musk und Neuralink und den potenziellen Möglichkeiten …

UPDATE  12.04.2017: Die erste geschlossene Teststrecke des Hyperloop ist fertiggestellt.

UPDATE 04.04.2017: Der Erfolg gibt Elon Musk scheinbar recht. Wie Wired berichtet, ist Tesla auf Rekordkurs und inzwischen die zweitwertvollste Automarke in den USA. Der Erfolg wird der Breitenwirkung von Tesla zugeschrieben – wobei ich überzeugt bin, dass die Person Elon Musk und seine ständige, oft vorlaute und absurd scheinende Medienpräsenz ordentlich zum Erfolg beitragen und damit die Strategie unterstützen, die der Konzernherr offenbar fährt.


Philip K. Dick: Blade Runner – als Taschenbuch und eBook bei Amazon …

Ridley Scott: Blade Runner: Final Cut – als BluRay bei Amazon …

Alastair Reynolds, Stephen Baxter: Die Medusa Chroniken [meine Rezension] als Paperback und eBook bei Amazon …

James Cameron: Terminator – als BluRay bei Amazon …

James Cameron: Terminator 2 – als BluRay bei Amazon …


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