David Bowie, Alan Rickman, George Kennedy, Prince, Götz George, Bud Spencer, Gene Wilder, Leonard Cohen, Richard Adams, Carrie Fisher, Debbie Reynolds.

Alle sind sie 2016 gestorben und ihr Tod hat sehr viele Menschen bewegt. Vor allem bei David Bowie und Carrie Fisher ist das bemerkenswert gewesen, wie sehr die Leute betroffen waren. Eigentlich kein Wunder, viele der heute Erwachsenen sind von Kindheit und Jugend an mit ihnen vertraut gewesen. Diese jahrelange Begleitung durch vertraute, doch fremde Personen, die jemanden bewegen, hinterlässt ihre Spuren. Der plötzliche Wegfall dieser Person kann sie wie eine Art Mini-Trauma auswirken.

Im Vergleich zu den Tragödien wie der Flüchtlingskatastrophe aus Syrien oder dem Drama um Aleppo, zu den Opfern von Terroranschlägen, zum alltäglichen Sterben unzähliger Leute, sind das herzlich wenige Personen und man möchte oft vermeinen, dass das mediale Getue um den Tod eines Promis an Geschmacklosigkeit und Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist.

Aber es ist eine zutiefst menschliche Verhaltensweise, sich vom Tod eines vermeintlich vertrauten Individuums mehr betroffen zu fühlen, als es ein Massensterben verursachen könnte. Es geht näher, weil es die eigene Sterblichkeit spürbarer, den Tod begreiflicher werden lässt. Manche der Prominenten haben wir “nur” wertgeschätzt, andere gar als Vorbilder oder wenigstens als bewundernswert erachtet. Das sind starke Gefühle und wenn die Verbinung zu einer Person abreißt, für die wir solche Emotionen übrig haben, ist das – natürlich – in den meisten Fällen sowas wie eine Miniaturtragödie.

Und es war immer schon so. Was hat der Tod von Grace Kelly seinerzeit die Leute bewegt. Oder von James Dean. Die halbe Welt war von hysterischer Trauer erfüllt. Der Unterschied ist einfach nur, dass wir jetzt die technischen Mittel haben, alles unvermittelt und weltweit kundzutun. Nahezu in Echtzeit. Und jeder von uns nützt dieses System. Die Medien, die Leser/User, wir alle. Dadurch prasselt alles ungefiltert auf den Einzelnen hernieder und das gefällt natürlich auch nicht jedem. So entstehen augenblickliche, von Emotionen aller Art geprägte Diskussionen und Streitigkeiten und alles erscheint aufgebauscht.

Unterm Strich haben alle das Recht, so zu emfinden, wie sie es tun. Jene, die traurig sind und jene, die das nervt. Nichts davon ist scheinheilig oder verlogen, sondern der Ausdruck dessen, was uns in irgend einer Form berührt.

Das einzige Problem ist, dass es eine allgemeine Verrohung im Umgang miteinander gibt, gefördert durch die (unbedingt schützenswerte) Anonymität im Internet, die in Wahrheit absolut nicht mehr anonym ist. In diesem Zwielicht lassen sich zu viele Menschen dazu hinreißen, ihre schlechteste Seite zu zeigen, um auf gegenteilige Befindlichkeiten mit Aggression oder selbstgerechter Empörung zu reagieren.

Man muss die Meinung des anderen weder teilen noch verstehen. Es reicht, (speziell bei Todesfällen von Prominenten) sie zu akzeptieren. Aber, und da sind wir wieder bei zutiefst menschlichen Verhaltensweisen, das fällt vielen unglaublich schwer. Toleranz der, mag sie jemandem auch noch so lächerlich erscheinen, Trauerarbeit oder höflichen Anteilnahme gegenüber, wäre das Mindeste. Es wirkt ziemlich dumm und extrem unsympathisch, sich in diesen Zusammenhängen über Leute, die man gar nicht kennt, zu echauffieren.

2016 ist fast vorbei und hoffentlich gibt es 2017 weit weniger Gründe, aneinanderzugeraten.

Das ist ein sehr optimistischer Gedanke, ich weiß.


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